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Alpine Wildflußlandschaften mit breitem Flußbett, sich verzweigenden Rinnen und Kiesbänken, sowie vielfältigen Auengesellschaften waren noch vor 100 Jahren ein verbreiteter Landschaftstyp der Alpen und des Vorlandes.

Innerhalb Mitteleuropas war dieser Landschaftstyp an den nordalpinen Flüssen Rhein, Iller, Lech, Isar, Inn, Salzach, Traun und Enns besonders großräumig ausgebildet.

In den letzten 100 Jahren hat der Mensch keinen anderen Lebensraum in Mitteleuropa so nachhaltig beeinflußt und verändert.

Wasserbauliche Maßnahmen - die zunächst nur dem Schutz der Siedlungen dienten - später im großen Stile zur Energienutzung durchgeführt wurden - haben zur Folge, dass heute kein einziger Alpenfluß mehr seine ursprüngliche Dynamik hat und alpine Wildflußlandschaften nur noch in Restbeständen zu finden sind.

Bereits die Kelten nannten den Lech  "Licca", das bedeutet, "der rasch Fließende". In nahezu allen früheren Veröffentlichungen wird über die Gefährlichkeit und die wilde Kraft dieses reißenden Gebirgsflusses berichtet. Durch den Eingriff des Wasserbauers, vor allem in den letzten 60 Jahren, verdient heute der Lech seinen Namen nur noch im Oberlauf in Österreich, denn im gesamten bayerischen Raum wurde die urtümliche Kraft dieses großartigen Wildflusses fast vollständig gebrochen.

Das Lechtal erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über 259 km durch die Alpen und ihr nördliches Alpenvorland, davon liegen auf österreichischem Gebiet 90 km und auf Deutschem 169 km, und läßt sich in 3 Hauptabschnitte gliedern:

Der Obere Lech - zwischen Allgäuer- und Lechtaler Alpen verläuft in einem bereits während der Alpenerhebung angelegten Talraum in Österreich und durchstößt zwischen Reutte und Füssen die Allgäuer Alpen.

    Der Mittlere Lech - hat sich zwischen Füssen und Schongau , als Fluß, tief in die während der letzten Eiszeiten abgelagerten Moränen eingeschnitten.

    Der Untere Lech - nördlich der Endmoränengrenze bei Schongau bis zur Mündung in die Donau, ist der Talraum stark aufgeweitet.

Auf dieser Länge von 259 km fällt der Lech insgesamt 1471m. Das sind oberhalb der Grenze bei Füssen 11,8 m auf jeden Kilometer, zwischen Füssen und Landsberg 2,5 m, und von Landsberg bis zur Mündung 2,2 m. Im Vergleich dazu hat die Donau an der Lechmündung ein Gefälle von 0,46 m je km.

Als Alpenfluß ist bzw. war der Lech (vor dem Eingriff des Wasserbauers) durch einen hohen Gerölltrieb gekennzeichnet; das heißt, er transportierte den Verwitterungsschutt aus dem Gebirge ins Vorland. Entsprechend dem Haupteinzugsgebiet des Lech in den Lechtaler- und Allgäuer Alpen handelt es sich dabei vornehmlich um Karbonatgesteine. In Talaufweitungen kam dieses Material zur Ablagerung, so daß sich zum Teil mächtige Aufschüttungsterrassen ausbildeten. Durch diese Verlagerungen eintstanden großgräumige Wildflußlandschaften.

Die prägende Wirkung für die Gestalt des ursprünglichen Flußbettes des Lechs ging von den Hochwassern, insbesondere denen des Frühsommers aus. Waren diese starkgenug, durchströmte das abfließende Wasser weite Teile der Talsohle. Dabei glitt das Hochwasser nicht sanft dahin, sondern die Fließdynamik des mit hoher Geschwindigkeit fließenden Lechs und die Rauhigkeit des Flußbettes führten zu Wirbelbildungen. Sein Wasserkörper war zu einem Systemvon Wasserwirbeln und -walzen geworden. Wandernde horizontale Wassserwalzen, vertikale Wanderwirbel, Saug- und Quellwirbel rissen immer wieder die Sohlenpanzerung des Lechbettes auf. in den dann braunen Fluten des Lech wurden große Mengen an Lockermaterial aufgenommen, mitgerissen und flußabwärts wieder abgelagert. Diese Hochwasserereignisse waren von grundlegender Bedeutung für die Lebensbedingungen der ursprünglichen Wildflußlandschaft des Lech.

Der Lech besitzt als Nordalpenfluß, in dessen Einzugsgebiet sich keine Gletscher befinden, ein einfaches Abflußregime mit hohem Abfluß während des Sommerhalbjahres und geringem Abfluß im Winter. Das Sommermaximum liegt im Juni und setzt sich aus zwei Komponenten zusammen:

aus der Schmelze der Schneerücklagen in höher gelegenen Gebieten und

aus dem sommerlichen Niederschlagsmaximum.

Da diese beiden Komponenten zeitlich annähernd zusammenfallen, überlagern sie sich zu einem Abflußmaximum.

 

Flußbaumaßnahmen am Lech

Wasserbauliche Maßnahmen sind am Lech schon lange bekannt. So reichen erste Daten über Wasserausleitungen bei Augsburg bis ca. 1000 n.Chr. zurück. Bereits 1495 wurde hier ein Lechanstich in der Nähe des heutigen Hochablasses durchgeführt, um das Wasser für Gewerbebetriebe zu nutzen. Zwischen 1521 und 1561 erfolgten erste Bauten zu dem großen Wehr bei Augsburg, dem Hochablaß.

Wenngleich die Wasserbaumaßnahmen bis in die historische Zeit zurückführen, so verfügte man erst ab Mitte des 19. Jahrhundert über die technischen Voraussetzungen, um den Wildfluß konsequent auszubauen. Die ersten durchgehenden Regulierungen wurden am Unteren Lech nördlich von Augsburg, zwischen1852 und 1900 ausgeführt. 1893 wurde zur Energiegewinnung ab Gersthofen ein Ausleitungskanal gebaut. Bereits ab 1863 erfolgten südlich von Augsburg, so z.B.bei Kaufering, erste Regulierungen. Mit dem konzequenten Ausbau wurde allerdings erst nach dem Jahrhunderthochwasser 1910 begonnen. So wurde beispielsweise die ehemals größte außeralpine Umlagerungsstrecke im heutigen Naturschutzgebiet Stadtwald-Augsburg zwischen1925 und 1928 begradigt.

Die Regulierung und Streckung des Flußlaufes hatte zur Folge, daß sich der Fluß durch die Erhöhung der Fließgeschwindigkeit stark eintiefte. Dies war in gewissem Umfang zwar erwünscht, aber zunehmend waren dadurch auch die Brückenbauwerke gefährdet. Auwälder und landwirtschaftliche Flächen fielen als Folge der mit der Tiefenerosion verbundenen Grundwasserabsenkung trocken. Darum versuchte man den Eintiefungsprozeß durch den Einbau von Sohlschwellen zu stoppen.

So wurden im Stadtwald Augsburg bereits 10 Jahre nach der Regulierung Sohlschwellen eingebaut.

Auf Grund falscher Einbaumaßnahmen bewirkten allerdings die Sohlschwellen keine dauerhafte Sohlfixierung, sondern wurden mehr oder weniger rasch unterspült.

Mit dem sprunghaften Strombedarf ab 1940 entschloß man sich, den weiteren Ausbau des Lech mit der Energienutzung zu verbinden. Dazu sollte der Lech in eine Stausseenkette umgebaut werden. So entstanden von 1940 bis 1950 die Staustufen zwischen Schongau und Landsberg, von 1950 bis 1971 die Staukraftwerke zwischen Füssen und Schongau und 1973 bis 1984 die Kraftwerke zwischen Landsberg und Mering.

Heute gibt es am bayerischen Lech nur noch eine unregulierte Fließstrecke südlich von Schongau, die Litzauer Schleife. Längere bereits regulierte Fließstrecken sind bei Augsburg und nördlich von Landsberg erhalten geblieben.

Gegenüber dem bayerischen Lech wurde der Obere Lech bislang nicht so konzequent ausgebaut. Zwar erfolgten seit 1930 eine Reihe von Flußregulierungen, aber bis heute ist noch eine Wildflußstrecke bei Forchach (südlich Reutte) mit weitgehend intaktem Wasser- und Geschiebehaushalt erhalten geblieben.

Zusammengestellt aus: Augsburger Ökologische Schriften, der Lech

von Schutzgemeinschaft Lech, Ingrid Hippele

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