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Der Lechgeist

Lechgeist

Sagen und Legenden Der Lechgeist

Dort, wo heute der große Lochbachwasserfall ist, dehnte sich einst ein weites Altwasser aus. Mit seinen Fischen hauste dort ein Wassermann. Er war klein von Gestalt, aber auf seinem hechtgrauen Körper saß ein riesiger Kopf und aus dem fahlen Gesicht stachen feuerrote Augen, der große Mund war von einem langen, weißen Bart umrahmt. Trotz seines erschreckenden Aussehens war der Lechgeist nicht bösartig, nur durfte man seinen Frieden nicht stören, denn er wollte mit seiner Fischbrut alleine sein.

Einmal schickte der Neuhauswirt seine zwei Buben in die Nepomukkapelle, sie sollten die Abendglocken läuten. Anstatt sofort nach Hause zugehen, wie es sich für ordentliche Kinder geziemt, strolchten die beiden noch hinüber in die Lechauen. Die ersten Fledermäuse flatterten bereits im Zickzackflug durch die laue Sommerluft, und im nahen Wald sang eine Drossel ihr Abendlied. Die Buben blieben stehen und horchten. Plötzlich deutete einer der beiden erschrocken zum Waldrand und rief entsetzt: ,,Der Lechgeist!" Beide rannten davon.

Weil aber der Wassermann ein gutes Stück entfernt war, wurden die zwei Streuner keck und riefen ihm Schimpfnamen zu. Da wurde der Lechgeist wütend, erhob sich aus der feuchten Niederung und eilte, wie vom Winde getrieben, auf die beiden Buben zu. Als die Spötter das sahen, packte sie das Grausen, und so schnell sie konnten, rannten sie heimwärts. Der Wassermann scheute indes die Nähe der Menschen nicht und setzte den Buben nach.

In ihrer riesengroßen Angst erreichten sie mit letzter Kraft das Neuhaus, sprangen hinein und schlugen die Haustüre zu und stemmten sich von innen dagegen. Draußen fauchte zornig der Geist und rüttelte wütend an der Türe. Ein Brandgeruch begann aufzukommen und wehte in feinen Schwaden durch die Türritzen in den Flur, und als man später vorsichtig die Haustüre öffnete, sah man, daß der feurige Atem des wütenden Lechgeistes den hölzernen Türrahmen versengt

hatte. Noch lange konnte man das Brandmal an der Haustüre als sichtbares Zeichen des erzürnten Lechgeistes beschauen. Die beiden Buben aber mußten ihre Bosheit bitter büßen. Von Stund an sauste und brauste es in ihren Ohren, als ob ununterbrochen ein Wasserfall um sie toste. Eines Tages konnten sie dieses Rauschen und Brausen nicht mehr ertragen. Sie liefen, wie man ihnen geraten hätte, klopfenden Herzens hinaus zum Altwasser, brachten dem Lechgeist einen Laib Brot und sprachen dabei: ,,Wassermann, Wassermann, eins, zwei drei! Nimm dir den Laib und mach uns frei, vom Rauschen und Tosen in unserem Ohr, auf daß wir hören der Glocken Chor". Der Lechgeist war versöhnt. Gesund und heilfroh kehrten die Buben wieder zu ihren Eltern zurück.

Aus Geschichte und Geschichten rund um Königsnbrunn, ISBN3-924619-03-4

 

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