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Hier wollen wir in unregelmäßigen Abständen Hintergrundwissen über den Lech und seine Biotopfunktion hinterlegen.

Der alte Lech

Prof. Heinz Fischer 1960

Es   war einmal – Wie ein Märchen beginnt die Kunde vom alten Lech. An die Lechstrecke unterhalb Augsburg erinnert sich niemand mehr – sie ist schon seit über hundert Jahren “korrektioniert”. Die letzte Floss ist 1910 den Lech herunter gekommen, von den alten Flössern lebt keiner mehr. Wer sich noch an den Lech oberhalb Augsburg erinnern kann, ist wenigstens 50 Jahre (heute 80 Jahre) alt, denn hier haben sich die Betondämme bereits 1928 geschlossen. Und auch die wundervollen Strecken hinauf bis Füssen sind alle schon mehr als zehn Jahre (heute 40 ) vernichtet.

 

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Zum letzten Mal haben wir den Schrei einer Lachseeschwalbe 1930 gehört, aber kein Nest mehr gefunden. Aeolopus tergestinus, einen äusserst seltenen Heuschreck, der von wenigen Küstenstrichen bei Bordeaux, Triest und China und auch von Ungarn bekannt ist, den ich erst 1936 auf Lechkiesbänken entdeckt hatte, sah ich 1941 zum letzten mal. Eine Uferwanze, Teloleuca nobilis, die ihr nächstes Vorkommen erst wieder in Ungarn hatte, habe ich am 20. 9. 1936 auf der Höhe von Siebenbrunn entdeckt und dann nie mehr gesehen. Eine kleine Schmuckfliege, Hypochra albipennis (Familie Otitidae), die bisher nur in wenigen Stücken aus Griechenland und Italien bekannt war, konnte ich am 4. 8. 1937 auf den Kiesbänken bei der Moosquelle fangen – ich habe nie mehr eine beobachtet.

 

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Wir spürten stark – damals – wie uns der Lech immer wieder in seinen Bann zog und herausforderte. Wir sind noch die langen Wellen geschwommen, die einem das Mass zu langen Zügen aufzwangen. Dabei haben wir das ausdauernde schleifen und schürfen der rollenden und rutschenden Kiesel gehört und auch gespürt. Wir sind durch reissende Arme gewatet, wo wir bei jedem Schritt zwischen treibenden Steinen einsanken, die eilig an den Beinen vorbei strebten; meist hat es uns umgeworfen, noch bevor das Wasser über die Knie ging. Wir haben die starken Wirbel studiert mit ihrem kraftvollen Rhythmus des Ziehens und Schiebens und haben uns durchziehen lassen, weil es gar so schön war mit dem Schwall wieder heraus zu schiessen.

 

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Wir haben Steine gesucht, immer wieder andere, und haben ihren Weg zurück verfolgt, teils bis in die Zentralalpen, von wo prächtige Urgesteine mit Granaten und Turmalinen schon seit gut 100 000 Jahren unterwegs waren, erst geschoben vom Gletschereis, dann lange Zeit eingepackt in dicke Moränen, bis sie der  Lech weiter schleppte. Dann haben wir die vielen Alpenpflanzen auf den Kiesbänken und in den Auen bewundert, um sie bei nächster Gelegenheit in ihrer Heimat in den Bergen wieder aufzusuchen. Immer weiter zwang uns der Lech seinen Wundern zu folgen.

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